Mai 21, 2008
Da sich meine Zeit hier in Russland leider viel zu schnell dem Ende zuneigt, mache ich nun die Dinge, die ich schon seit meiner Ankunft vorgehabt, aber immer auf später verschoben habe. Nachdem ich am Montag endlich im Russischen Museum war, verbrachte ich die letzten beiden Tage mit Ervina in Veliki Novgorod.
Da ich vor ein paar Tagen in der Gratistageszeitung „Metro“ einen Bericht über die rasend schnell vergriffenen Zugtickets in den Süden gelesen hatte, wollten wir auf Nummer sicher gehen, und unser Ticket wenigstens am Vortag kaufen. Novgorod liegt zwar nicht wirklich im Süden, aber sicher ist sicher. Am Informationsschalter des Zugticketbüros im Zentrum erkundigten wir uns vorsichtshalber, an welcher Kassa wir die Tickets für den gewünschten Zug kaufen könnten. Nachdem die Dame im Computersystem die entsprechende Verbindung nachgeschlagen hatte, antwortete sie uns, dass wir jeden beliebigen Schalter wählen könnten, stellten wir uns an der Nummer 13 an. Schlange stehen ist beim Fahrkartenkauf quasi obligatorisch. Vor uns in der Schlange zankte sich eine ältere Frau mit zwei Mädchen darum, wer zuerst da gewesen war. Nach etwa 20 Minuten stand die Bedienstete am Schalter auf und verließ ihre Kabine. Dem Schild entnahmen wir, dass jetzt Zeit für ihre Kaffeepause war. Wenigstens dauerte die Pause nur eine Viertelstunde. Wäre sie zur Mittagspause verschwunden, hätten wir uns wohl eine neue Schlange suchen müssen. Nachdem wir endlich an der Reihe waren, wurde uns mitgeteilt, dass hier keine Karten für unsere Verbindung erhältlich waren. Wir müssten direkt zum Moskauer Bahnhof gehen.
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Verfasst von irisburtscher
Mai 5, 2008
Nach einer recht stressigen Woche packte ich am Dienstag meine Sachen, um Russland erneut für ein paar Tage zu verlassen. Auch meine zweite Reise trat ich nicht freiwillig an, mein zu kurzes, unverlängerbares Visum war der Grund. Natürlich freute ich mich, erstmals nach Skandinavien reisen zu können, aber ein mulmiges Gefühl ist doch dabei, wenn man zum Reisen gezwungen wird.
Von Petersburg aus fahren jeden Abend private Busse nach Helsinki. Man muss nur mit seinem Gepäck zum Moskauer Bahnhof spazieren. Dort angelangt warten schon die verschiedenen Anbieter und stürzen sich auf alle Reisewilligen. Nachdem man sich für einen Bus entschieden hat, zahlt man gleich dort und sucht sich einen Sitzplatz aus. Kurze Zeit später befindet man sich auch schon auf dem Weg.
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Verfasst von irisburtscher
April 5, 2008
Nachdem ich mich spontan dazu entschlossen hatte, mit Ervina und ihrer Studienkollegin Olga nach Moskau zu fahren, trafen wir uns am Freitag Abend vor dem „Moskauer Bahnhof“ in St. Petersburg, um mit dem Nachtzug in die Haupstadt zu fahren. In Petersburg gibt es wohl ein dutzend verschiedener Bahnhöfe, deshalb haben sie auch unterschiedliche Namen. Praktischerweise heißt der Bahnhof in Petersburg, von wo aus die Züge nach Moskau fahren „Moskauer Bahnhof“, und der Bahnhof in Moskau, von dem die Züge nach Petersburg fahren „Leningrader Bahnhof“ (naja, die sind wohl noch etwas spät dran).
Allein die Zugfahrt war schon ein kleines Abenteuer. Glücklicherweise hatte man mir im Vorhinein erklärt, wie das Prozedere abläuft. Ansonsten wäre ich wohl komplett verloren gewesen. Zwei Freunde von Olja trafen uns noch vor dem Bahnhof, um sich von uns zu verabschieden. Liebenswürdigerweise schleppte auch einer der beiden meine Tasche bis zu meinem Schlafplatz und klappte mein Bett, das tagsüber an die Wand geklappt ist, herunter. Der Mechanismus ist dabei gar nicht so einfach zu durchschauen. So war zumindest die erste Hürde geschafft. Russische Männer sind insgesamt sehr hilfsbereit. Hier wird einem noch die Tür aufgehalten und in den Mantel geholfen. Ein wenig seltsam finde ich nur die Angewohnheit, die Handtasche der Freundin zu tragen. An diesem Abend war ich jedoch heilfroh, dass ich meine doch recht schwere Reisetasche nicht alleine tragen musste.
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Verfasst von irisburtscher
März 24, 2008
Nach einer – dank meiner russischen Wohnungsnachbarn, die die ganze Nacht gefeiert hatten – sehr kurzen Nacht saß ich um sieben Uhr morgens im Eurolines-Bus nach Tallinn. Nch etwa drei Stunden erreichten wir die Grenze und mussten an der russischen Seite erst einmal eine dreiviertel Stunde vor der Passkontrolle Schlange stehen. Auf der estnischen Seite konnten wir wenigstens im Bus sitzen bleiben. Ein Zollbeamter sammelte alle Pässe ein und stapelte so allmählich einen Turm aus Dokumenten, den er geschickt auf einer Hand balanzierte, während er stetig neue Pässe der Insassen einsammelte. Nach einer weiteren halben Stunde Wartezeit kamen alle Pässe wohlbehalten zurück und die Fahrt konnte weitergehen. Wir durchquerten zwar nicht wirklich schöne Gebiete, aber da immer noch alles schneebedeckt war, war auch der Blick aus dem Fenster recht angenehm.
Nach sieben Stunden Fahrt kamen wir schlußendlich in Tallinn an. Ich schulterte meinen Rucksack und machte mich auf den Weg zu dem Hostel, das ich zuvor im Internet ausgeforscht hatte. Als ich den Busbahnhof schon verlassen hatte, fiel mir ein, dass ich ja noch gar kein estnisches Geld hatte, kehrte also um, hob am nächstbesten Bankomaten estnische Kronen ab und machte mich wieder auf den Weg zur Straßenbahnhaltestelle. Nachdem ich endlich die richtige gefunden hatte, erkundigte ich mich bei zwei Mädchen, wie denn das Fahrkartensystem hier fuktionierte. Sie erklärten mir, dass man die Tickets beim Fahrer nur kaufen konnte, wenn man das Geld genau zur Hand hatte. Da ich nur große Scheine hatte, musste ich abermals zurück zum Busbahnhof, um am dortigen Kiosk Fahrkarten zu kaufen. Schlußendlich, nachdem ich die gleiche Strecke nun schon zwei Mal hin und hergelaufen war, fuhr ich mit der Straßenbahn ins Stadtzentrum. Da ich nicht genau wusste, wo ich aussteigen musste, orientierte ich mich so gut es ging an dem Stadtplan in meinem Reiseführer und stieg unweit des Zentrums aus. Da es wohl ein paar Gehminuten zu Fuß waren, marschierte ich also in die richtige Richtung und bog nach kurzer Zeit in eine Seitenstraße ab. Meiner Meinung nach müsste das nun ungefähr Richtung Hostel führen. Als ich nach kurzer Zeit in der Altstadt ankam musste ich feststellen, dass ich schon viel zu weit gegangen war. Ich hatte außerhalb der Stadtmauern bereits das gesamte Stadtzentrum passiert. Verwundert suchte ich nun en Maßstab auf der Karte und stellte fest, dass die ganze Altstadt sehr viel kleiner war, als ich gedacht hatte. Den Rest des Beitrags lesen »
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Verfasst von irisburtscher
März 19, 2008
Am Freitag hatte ich endlich die Chance, all meine wunderbaren und manchmal auch etwas wunderlichen Erlebnisse, die ich in diesem Land mache, mit Freunden zu teilen. Daniela, Birgit und Petra kamen mich besuchen.
Am Flughafen angelangt hatten sich die Rollen nun verkehrt. Vor ein paar Wochen war ich noch diejenige, die voller Neugierde in diesem seltsamen runden Raum stand und auf die Einreise wartete, während ich von dutzenden Leuten, die sich aus dem ersten Stock übers Geländer beugten, begafft wurde. Jetzt war ich eine der Beobachter, die auf die wartende Menge unter mir hinunterschauen konnte. Und dazu hatte ich wirklich Zeit. Meine drei Freundinnen, die sich mittlerweile mit einer Russin angefreundet hatten, warteten geschlagene eineinhalbstunden in der Schlange vor der Passkontrolle. Meine Ermutigungen, doch ein wenig „aktiver“ anzustehen, blieben unbeachtet. Doch schlußendlich konnte ich doch alle drei umarmen und in Empfang nehmen.
Mit dem teils verrückten öffentlichen Verkehrssystem ging es dann in meine Wohnung. Wenn ich gewusst hätte, dass manch ein Koffer 19,9 Kilo wiegen würde, hätte ich vielleicht im vorhinein ein Taxi organisiert. Die drei Mädels ließen anfänglich wirklich nichts unfotografiert (außer der Metro, in der Fotografierverbot herrscht). Es war wirklich interessant zu sehen, welche Dinge sie noch erstaunten, während es für mich schon Alltag bedeutete. Dabei war ich vor wenigen Wochen mit der gleichen Fassungslosigkeit und Faszination vor denselben Dingen gestanden.
In den folgenden Tagen versuchte ich, ihnen einen ausgewogenen Mix aus Kultur, Kulinarik, Shopping und Nachtleben zu bieten. Ob das gelungen ist, müssen die Damen selbst entscheiden… (vielleicht per Kommentar?
). Wir schlenderten durchs Stadtzentrum, spielten Kapitän auf dem alten Kriegsschiff Aurora und fühlten uns im Bernsteinzimmer im Katharinenschloss wie Prinzessinnen. Wir wurden auf einer Marschrutka-Fahrt ordentlich durchgeschüttelt und bangten während einer Taxifahrt um unser Leben. Mit Piroggen und Blini schlugen wir uns die Bäuche voll, testeten den einen oder anderen Wodka und erlebten, dass eine Russendisko in Russland mit der in Österreich nicht wirklich viele Ähnlichkeiten aufweist. Wir bestaunten Föten in Formalin, gingen auf einem zugefrorenen See spazieren und bauten bei Minusgraden kleine Schneemänner am Sandstrand im Sonnenschein.
Ich glaube, nicht nur ich bin jetzt davon überzeugt: Diese Stadt ist einfach einmalig. Danke Mädels, dass ihr da wart. Die Zeit war echt ein Traum!
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Verfasst von irisburtscher