Lange Nacht der Museen

Mai 17, 2008

Auch hier in St. Petersburg findet ein Mal jährlich eine „Lange Nacht der Museen“ statt. Für etwa vier Euro konnte man diesen Samstag zwischen 18.00 und 1.00 Uhr nachts 20 verschiedene Museen besuchen. Zudem wurde in jedem teilnehmenden Museum ein spezielles Programm mit zusätzlichen Führungen und Veranstaltungen angeboten. Drei Shuttlebusse verbanden die Plätze. Diese Chance wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und wählte aus der Liste ein paar Orte aus, an denen ich bis jetzt noch nicht war: das Anna Achmatova-Museum, der Eisbrecher Krasin und der städtische Zoo. Aufgrund der geografischen Nähe wurden aber auch das Roerich-Museum und das Schiffsmuseum in die Tour aufgenommen.

Den Rest des Beitrags lesen »


Deutsche Woche

April 22, 2008

Die ganze Woche lang fanden in St. Petersburg zahlreiche Veranstaltungen zum Thema Russland und Deutschland im Rahmen der „Deutschen Woche“ statt, die vom Goethe-Institut und dem deutschen Generalkonsulat veranstaltet wurden.

Obwohl manche der Angebot ein wenig schwierig zu finden waren, weil weder Beginnzeit noch Ort mit den im Programmheft angegebenen Daten übereinstimmten, konnte ich doch einige interessante Veranstaltungen besuchen. So sah ich mit zwei russischen Freundinnen, die seit mehreren Jahren deutsch lernten, einen Abend lang deutsche Filme oder tanzte zu Musik der russischen Gruppe Krec und der deutschen Gruppe Culcha Candela. Es war spannend, über die Unterschiede der beiden Kulturen und ihrer Politik zu diskutieren, und Geschichten über Russen in Deutschland und Deutsche in Russland zu hören. Mein Interesse an Deutschland ist aber nun wohl für einige Zeit gestillt.


Auf Dostojewskijs Spuren

April 17, 2008

Nachdem ich nun endlich sowohl „Schuld und Sühne“, als auch „Der Spieler“ von Dostojewskij fertig gelesen habe, besuchte ich nachmittags das Museum über einen der (zu recht) berühmtesten russischen Schriftsteller. Es ist in St. Petersburg in der Wohnung untergebracht, in der Dostojewskij zuletzt mit seiner Familie lebte.

Nachdem ich der Dame an der Kasse meinen russischen Studentenausweis vorlegte, bekam ich gratis eine Eintrittskarte. Ausländische Studenten müssen fünf Euro bezahlen, deshalb war ich froh, nicht enttarnt worden zu sein. Im 1. Stock konnte man um 20 Rubel Kassettenrecorder ausleihen, die einen durch die Ausstellung führten. Nachdem ich höflich fragte, ob diese denn auch in deutscher Sprache vorhanden wären, verdoppelte sich der Preis schlagartig. Die ältere Dame hatte dann wohl Mitleid oder ein schlechtes Gewissen, jedenfalls gab sie mir den Recorder zum „russischen“ Preis. In Russland ist es ganz normal, dass Ausländer für Eintritte in Museen oder Theater prinzipiell das mehrfache für die gleiche Leistung bezahlen.

Die ehemalige Wohnung im 2. Stock enthält zwar leider nur mehr wenige der originalen Möbelstücke, dafür wurde sie aber so gut es ging nachgebildet und man findet zahlreiche andere Besitztümer der Dostojewskijs: Fotos, Bilder, Spielzeug der Kinder, Notizen des Schriftstellers,…. Der Audioguide führte mich so von Raum zu raum und fütterte mich mit Informationen. Leider spuckte er über den Ausstellungsraum im 1. Stock keinerlei Informationen aus. Hier waren scheinbar recht wahllos Notizen und Malereien der Orte, die Dostojewskij besucht hatte, an den Wänden aufgehängt. Außer sehr kargen Informationen auf russisch waren dem Raum leider keine weiteren Erklärungen zu entlocken.

Da mir eine gute Freundin schon wochenlang von diesem Museum vorgeschwärmt hatte, war ich schon ein wenig enttäuscht über die recht bescheidene Ausstellung. Aber den Geist Dostojewskijs findet man ohnehin nicht in einem Museum, sondern nur in seinen Büchern.

Mein nächstes Vorhaben: Tolstois „Anna Karenina“ …


Besuch

März 19, 2008

Am Freitag hatte ich endlich die Chance, all meine wunderbaren und manchmal auch etwas wunderlichen Erlebnisse, die ich in diesem Land mache, mit Freunden zu teilen. Daniela, Birgit und Petra kamen mich besuchen.

Am Flughafen angelangt hatten sich die Rollen nun verkehrt. Vor ein paar Wochen war ich noch diejenige, die voller Neugierde in diesem seltsamen runden Raum stand und auf die Einreise wartete, während ich von dutzenden Leuten, die sich aus dem ersten Stock übers Geländer beugten, begafft wurde. Jetzt war ich eine der Beobachter, die auf die wartende Menge unter mir hinunterschauen konnte. Und dazu hatte ich wirklich Zeit. Meine drei Freundinnen, die sich mittlerweile mit einer Russin angefreundet hatten, warteten geschlagene eineinhalbstunden in der Schlange vor der Passkontrolle. Meine Ermutigungen, doch ein wenig „aktiver“ anzustehen, blieben unbeachtet. Doch schlußendlich konnte ich doch alle drei umarmen und in Empfang nehmen.

Mit dem teils verrückten öffentlichen Verkehrssystem ging es dann in meine Wohnung. Wenn ich gewusst hätte, dass manch ein Koffer 19,9 Kilo wiegen würde, hätte ich vielleicht im vorhinein ein Taxi organisiert. Die drei Mädels ließen anfänglich wirklich nichts unfotografiert (außer der Metro, in der Fotografierverbot herrscht). Es war wirklich interessant zu sehen, welche Dinge sie noch erstaunten, während es für mich schon Alltag bedeutete. Dabei war ich vor wenigen Wochen mit der gleichen Fassungslosigkeit und Faszination vor denselben Dingen gestanden.

In den folgenden Tagen versuchte ich, ihnen einen ausgewogenen Mix aus Kultur, Kulinarik, Shopping und Nachtleben zu bieten. Ob das gelungen ist, müssen die Damen selbst entscheiden… (vielleicht per Kommentar? ;) ). Wir schlenderten durchs Stadtzentrum, spielten Kapitän auf dem alten Kriegsschiff Aurora und fühlten uns im Bernsteinzimmer im Katharinenschloss wie Prinzessinnen. Wir wurden auf einer Marschrutka-Fahrt ordentlich durchgeschüttelt und bangten während einer Taxifahrt um unser Leben. Mit Piroggen und Blini schlugen wir uns die Bäuche voll, testeten den einen oder anderen Wodka und erlebten, dass eine Russendisko in Russland mit der in Österreich nicht wirklich viele Ähnlichkeiten aufweist. Wir bestaunten Föten in Formalin, gingen auf einem zugefrorenen See spazieren und bauten bei Minusgraden kleine Schneemänner am Sandstrand im Sonnenschein.

Ich glaube, nicht nur ich bin jetzt davon überzeugt: Diese Stadt ist einfach einmalig. Danke Mädels, dass ihr da wart. Die Zeit war echt ein Traum!


Поздравления с Международным женским днем!

März 8, 2008

Der 8. März ist internationaler Frauentag. Bis jetzt habe ich davon nur irgendwie wenig mitbekommen. In Russland hingegen wird der Tag groß gefeiert und ist auch ein offizieller Feiertag. An diesem Tag werden Frauen mit Blumen beschenkt. Dies führt dazu, dass sichdie Straßen von St. Petersburg an diesem Freitag und Samstag in ein Blumenmeer verwandelten. Überall sah man mit Blumen überladene Männer und Frauen, die ihre Sträuße und Rosen stolz durch die Gegend tragen.Obwohl ich eigentlich nicht damit gerechnet hatte, wurde auch ich am Frauentag mit Blumen beschenkt. Mein Mitbewohner Christian überreichte mir am Morgen eine Rose. Ob meine Bemerkungen der letzten Tage, dass ich wohl von niemandem Blumen bekommen würde, etwas damit zu tun haben?

rose.jpg

Am Nachmittag besuchte ich mit Ervina die Eremitage. Das Wort „Museum“ dafür zu verwenden, ist eigentlich untertrieben. Die Eremitage beherbergt 2,8 Millionen Ausstellungsstücke in dutzenden Gebäuden und hunderten Räumen. Die bedeutendsten Kunstwerke sind im Hauptgebäude, dem Winterpalast untergebracht. Allein die Räume darin sind schon beeindruckend: riesige Paläste, goldene Säulen, riesige Luster, Marmortreppen… Auch die Fülle der Kunstwerke ist beeindruckend. Man verliert beinahe die Wertschätzung der Kunst, nachdem man dutzenden Räume voll mit Bildern von Matisse, da Vinci, van Gogh, Rembrandt oder Picasso durchquert hat. Während eines Besuchs kann man nicht einmal einen Bruchteil der Exponate sehen. Deshalb kommen wir immer wieder. Für Studenten ist der Eintritt ja gratis.

eremitage1.jpg

Vor dem Winterpalast drehen immer noch die Eisläufer ihre Runden. Mitten auf dem Schloßplatz, dem Hauptplatz St. Petersburg, um die Alexandersäule herum, wurde diesen Winter eine Eislaufbahn gebaut. Die Stadt erteilte dazu die entsprechende Genehmigung. Anfang Februar jedoch wurde diese Erlaubnis zurückgenommen und die Einstellung des Eislaufbetriebs gefordert. Allerdings muss diese Weisung noch alle bürokratischen Instanzen durchlaufen. Solange dies nicht geschehen ist, dürfen Einheimische und Touristen weiter auf dem Schloßplatz Schlittschuh laufen. Die Mühlen der russischen Bürokratie mahlen langsam.

eislaufen.jpg
Nach dem Besuch der Eremitage fuhren wir mit der U-Bahn aus der Stadt heraus, um gemeinsam mit Aarni einen Markt zu besuchen. Die U-Bahn-Station „Avtovo“, in der wir ausstiegen, zählt zu den schönsten Metrostationen der Stadt: Wände aus weißem Marmor und kunstvoll mit Glas verzierte Säulen.

metropolitain_of_saint_petersburg_station_awtowo.jpg

Als Aarni auftauchte, hatte er tatsächlich auch zwei Rosen in seinen Händen. Ervina und ich freuten uns wahnsinnig über diese Aufmerksamkeit und trugen den Rest des Tages wie echte Russinnen die Blumen stolz zur Schau. Mit dem Bus ging es weiter durch die Vororte der Stadt. Es war sehr spannend, einmal aus der Innenstadt und den bekannten Straßen und Orten wegzukommen. Außerhalb des Zentrums ist von schönen Kirchen und Palästen nichts zu sehen. Hier überwiegen Plattenbauten. Ein Russe, der im Bus unsere Gespräche belauscht hatte, rief uns als er Ausstieg zum Abschied die Worte „Chitler kapudd“ (Hitler kaputt) zu. Diese zwei Wörter sind Überbleibsel aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die genaue Herkunft der Worte ist heute unklar, aber es wird spekuliert, dass deutsche Soldaten am Ende des Krieges, als sie von Russen gefangen genommen wurden, diese Worte verwendeten. Mittlerweile sind sie in den russischen Sprachwortschatz übergegangen. Fast jeder Russe kennt sie und wirft sie eben hin und wieder einmal ein, oft auch mit dem Zusatz „Chände choch“, wenn er merkt, dass jemand deutsch spricht. Mit der Bedeutung der Worte hat es aber eigentlich nichts zu tun.

Nach einer halbstündigen Busfahrt kamen wir am Markt an. Leider hatten wir in der Zwischenzeit schon so viel Zeit vertrödelt, dass schon fast alle Stände dabei waren, ihre Waren aufzzuräumen. Also schlenderten wir noch über das Gelände. Auf einem riesigen Platz, zwischen Markthallen und Ständen wird vom Autositz über Schuhe bis zu illegalen DVDs ausnahmslos alles verkauft. Wir beschlossen, auf jeden Fall bald wiederzukommen. Allerdings früher! Mit einer marschrutka (eine Art Sammeltaxi, das auf einer vorgelegten Route fährt), fuhren wir zur Metrostation zurück. Die Fahrt war wie immer recht wild. Nicht selten wurde rasant die Spur gewechselt und hupend einem anderen Fahrer ausgewichen. Verkehrsregeln sind in Russland oft wenig verbreitet. Die einzige Regel: „Survival of the Fittest“.


Mariinski

März 6, 2008

Hanna, ihre Freundin Amelia und ich konnten uns für die heutige Vorstellung des Balletts „Aschenputtel“ von Sergej Prokofjew im Mariinski Theater Karten besorgen. Nach den Vorlesungen stärkten wir uns noch in meinem geliebten Cafe Stolle an пироги, diesen schmackhaften, strudel- bzw. kuchenähnlichen gefüllten Köstlichkeiten. Obwohl man mir im Vorhinein Probleme beschieden hatte, hatte ich mit meiner Eintrittskarter für russische Studenten keine Probleme. In Russland gibt es nämlichen bei sämtlichen Eintritten ein Doppelpreissystem: ein Preis für Russen, und ein weitaus höherer Preis für Ausländer. Egal ob im Theater, in Museen oder Ausstellungen: Ausländer bezahlen meist das doppelte oder dreifache. Die Dame an der Kassa hatte aber gemeint, da ich in Russland studiere, könnte ich auch diese Karte bekommen.

Das Mariinski-Theater erscheint von außen recht unspektakulär. Im Inneren entfaltet es aber seine ganze Pracht: goldene Logen, riesige Luster, eine mit Fresken verzierte Decke. Das Ballett war ebenfalls ein Traum. Ich hätte nie gedacht, wie gut man eine Geschichte erzählen kann, obwohl man auf Worte komplett verzichtet. Allein durch den Ausdruck der Tänzerinne und Tänzer wurde die Geschichte so eindrucksvoll erzählt, dass ich oft aus dem Staunen, Bewundern oder auch Lachen nicht mehr herauskam.


Die Möwe

Februar 29, 2008
Für die Studentengruppe aus Moskau, die gerade ein paar Tage in St. Petersburg verbringt, wird abends von unserer Universität ein Programm organisiert. Da für die heutige Theatervorstellung dabei noch Karten übrig waren, konnten Ervina (eine Auslandsstudentin aus Salzburg) und ich uns „Die Möwe“ von Tschechow im Puschkin-Theater ansehen. Das Theater an und für sich ist schon beeindruckend. Es steht am Ende eines großen Platzes, in dessen Mitte das Denkmal von Katharina der Zweiten steht. Das Innere des Theaters ist prunkvoll mit Samt und Gold ausgestattet. Von der Decke hängt ein riesiger Luster.
Ervina und ich hatten Plätze in der ersten Reihe, hatten somit also eine gute Sicht auf die Bühne. Interessant war, dass die Schauspieler die Bühne immer wieder direkt durch den Publikumsbereich betraten oder verließen. Nach einer halben Stunde stand plötzlich der Mann, der bisher neben Ervina gesessen hatte, auf und kletterte auf die Bühne. Wir sahen uns ein wenig verdutzt an, bevor uns klar wurde, dass er selbst Schauspieler war.Das Stück wurde toll gespielt, es ist sehr emotional und auch für Theaterunkundige wie mich interessant. Leider war es sehr schwierig, der Geschichte zu folgen, da in die Haupthandlung dutzende Nebenhandlungen verstrickt sind.
Nach der Vorstellung spazierte ich im anhaltenden Schneegestöber nach Hause.