Vor vier Monaten reiste ich in dieses Land. Mein Kopf war voll mit Dingen, die man über Russland zu wissen glaubt. Ich dachte an Wodka, Putin und Kälte. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde. Vier Monate sind wie im Flug vergangen. Ich habe tausend Dinge erlebt und dieses Land, diese Kultur lieben gelernt. Selbst die Seiten Russlands, die eigentlich furchtbar sind, habe ich ins Herz geschlossen. Wer braucht schon freundliches Servicepersonal? Oder Trinkwasser aus dem Wasserhahn? Zebrastreifen und MÜlltrennung werden sowieso überbewertet. Vor vier Monaten dachte ich, in einer anderen Welt gelandet zu sein. Und jetzt komme ich mir hier zuhause vor. Kann mir etwas anderes kaum vorstellen.
Vor gar nicht allzu langer Zeit hatte ich zwei bange Stunden an der Einreise im Flughafengebäude verbracht. Was würde mich erwarten? Allein die Fahrt vom Flughafen zu meiner zukünftigen Wohnung war für meinen Kopf so anstrengend wie ein vierstündiges Examen. All die kyrillischen Leuchtreklamen, die da an mir vorbeizogen. All diese Menschen, die ich nicht kannte und von denen ich so gar nicht wusste, was so in ihren Köpfen wohl vorgehen mochte. Wenn ich heute durch die Straßen fahre, fallen mir all diese Schilder gar nicht mehr auf. Ich weiß immer noch nicht, was in den Köpfen der einzelnen Menschen vorgeht. Aber ich weiß, dass es gar nicht so unterschiedlich ist, wie ich gedacht hatte.
Die Zeit in Petersburg war wundervoll. Diese Stadt ist nun meine Stadt. Meine Stadt mit meinen Plätzen, meinen Lieblingslokalen, meiner U-Bahn und meinen Freunden. Ich kann nicht perfekt russisch reden, aber ich kann mich Abende lang mit Russen unterhalten, vorausgesetzt sie bringen die nötige Geduld mit. Ich verstehe noch nicht alles, aber viel. Diese Gründe, und tausende mehr sind es, die mir meinen Abschied von Russland so schwer machen. Gerade jetzt ist alles perfekt. Doch ich bin auch froh darüber, nicht leichtfertig gehen zu können. Es zeigt mir, wie wundervoll die letzen Monate waren und dass es die einzig richtige Entscheidung war, nach Russland zu kommen. Und eines weiß ich ganz sicher: es war kein Lebewohl, es war ein auf Wiedersehen….