Lang hatte ich nach einer Parabel gesucht, die meine Zeit hier in St. Petersburg beschreiben könnte. Endlich habe ich sie gefunden. Mein Auslandssemester gleicht einem Fallschirmsprung. Solo. Kein Tandem. Kein erfahrener Fallschirmlehrer, der alles für einen übernimmt und man selbst sich nur noch fallen laßen muss. Wer sich zu einem Auslandssemester entschließt, zumal es in etwas ausgefallenere Destinationen führt, ist auf sich allein gestellt. Wie bei einem Fallschirmsprung.
Sobald man sich dazu entschließt, hat man beim Gedanken daran ein Kribbeln im Magen. Kurz vor dem Absprung, wenn man schon den Abgrund unter sich spürt, hält man es für unmöglich, den Sprung wagen zu können. Doch ehe man sich versieht, befindet man sich schon im Freien Fall. Die Eindrücke rauschen in rasender Geschwindigkeit an einem vorbei und man hat kaum Zeit, all diese wunderbaren Erlebnisse zu verarbeiten. Plötzlich, wenn man denkt, dass es ewig so weitergehen könnte, sieht man das nahende Ende und schafft es gerade noch in letzter Sekunde die Reißleine zu ziehen, um – ein wenig unsanft – wieder am Boden anzukommen.
So stelle ich es mir zumindest vor. Bis ins Flugzeug habe ich es leider nicht geschafft. Der vorgesehene Fallschirmsprung an meinem letzten Tag in Russland endete nach der einstündigen Lehrstunde. Heftiger Wind verhinderte den geplanten anschließenden Sprung. Trotzdem war der Ausflug nach Gatschina, einem Vorort von St. Petersburg, mit meinen Freundinnen Olja und Natascha nicht umsonst.