Skandinavien

Nach einer recht stressigen Woche packte ich am Dienstag meine Sachen, um Russland erneut für ein paar Tage zu verlassen. Auch meine zweite Reise trat ich nicht freiwillig an, mein zu kurzes, unverlängerbares Visum war der Grund. Natürlich freute ich mich, erstmals nach Skandinavien reisen zu können, aber ein mulmiges Gefühl ist doch dabei, wenn man zum Reisen gezwungen wird.

Von Petersburg aus fahren jeden Abend private Busse nach Helsinki. Man muss nur mit seinem Gepäck zum Moskauer Bahnhof spazieren. Dort angelangt warten schon die verschiedenen Anbieter und stürzen sich auf alle Reisewilligen. Nachdem man sich für einen Bus entschieden hat, zahlt man gleich dort und sucht sich einen Sitzplatz aus. Kurze Zeit später befindet man sich auch schon auf dem Weg.


Nachdem mich das langsame Schaukeln des Busses sanft in den Schlaf gewiegt hatte, wurde ich zwei Stunden später relativ unsanft geweckt. Wir waren an der Grenze angekommen und nun stand ein zweistündiges Prozedere vor uns. Ganze sechs Mal wurde mein Pass kontrolliert. Mitten in der Nacht wird man dann an den beiden Grenzposten aus dem Bus gejagt, um sich in die Schlange vor der Passkontrolle einzureihen. Wir passierten die Grenze leider eine halbe Stunde nach Mitternacht. Wieder hatte ich einen Tag verloren…

Die Zeit in Finnland und Schweden war wunderbar. Die Sonne strahlte jeden Tag vom Himmer, und so konnte ich munter durch Helsinki streifen, einen Bilderbuch-Sonnenuntergang auf der Fähre nach Stockholm genießen, am Sandstrand einen Sonnenbrand holen oder mit dem Fahhrad an tiefblauen Seen entlangradeln. Ich lernte, dass Finnen eine Kreditkarten-Obsession haben, der Zug in Schweden unvorstellbar teuer ist, und Stockholm wahrscheinlich die schönste Stadt der Welt ist. Zumindest bei schönem Wetter.

Trotz all der wunderbaren Eindrücke und den netten Begegnungen mit Freunden und Bekannten war ich froh, als ich endlich wieder nach Russland einreisen durfte. In Helsinki fand ich auch gleich einen Minibus, der mich nach Petersburg mitnahm. Fünf Minuten nach Mitternacht passierten wir die russische Grenze, damit ich nicht noch einen kostbaren Tag meines Visums verlieren würde. Um vier Uhr nachts erblickte ich die Türme der Smolny-Kathedrale in der Ferne. Als wir wenige Minuten an der Newa ankamen, waren die Brücken jedoch noch hochgezogen. Zum ersten Mal sah ich nun die zahlreichen beleuchteten Brücken in der Dunkelheit, die sich im Wasser der Newa spiegelten. Zwischen halb zwei bis etwa halb fünf Uhr ist das Stadtzentrum nun von den anderen Inseln unerreichbar. Wer auf der einen Seite ist, muss auch dort bleiben. Zumindest, bis sich die Brücken wieder schließen.

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