Trotz allen wunderbaren Dingen, die ich in diesem Land erleben darf, wäre es falsch zu sagen, dass es immer leicht ist. Denn die Zeit hier ist trotz allem kein Spaziergang. An manchen Tagen scheint die Sonne, und an anderen Tagen fühle ich mich in den tiefsten Winter zurückversetzt. Nicht nur, was das Wetter betrifft.
An manchen Tagen, habe ich das Gefühl, dass sich meine Sprachkenntnisse in der Geschwindigkeit von Siebenmeilenstiefeln verbessern und dass ich – natürlich mit Händen und Füßen und viel Geduld meiner Zuhörer – irgendwie alles erreichen kann. Doch leider werde ich dann doch immer wieder eines Besseren belehrt, an Tagen wie diesem. Etwa dann, wenn ich in einem Vortrag sitze, den ich aufgrund falscher Angaben im Programmheft und nicht existenter Ausschilderung erst nach ewiglangem Suchen finde. Wenn der Vortrag, der meiner Meinung nach zum Dialog zwischen Russen und Deutschen führen sollte, statt wie angekündigt zweisprachig nur einsprachig stattfindet bzw. die Übersetzung nur für den Herrn Generalkonsul passiert und ich mich in einem Vorlesungssaal wiederfinde, zwischen einem russischen Vortragenden, den ich nur schwer verstehe, und dem deutschen Gemurmel der Dolmetscherin, das nicht laut genug ist, um es zu verstehen, es mir jedoch unmöglich macht, dem russischen Vortrag zu folgen. Zwei Stunden lang zwischen dutzenden Studenten eingeklemmt sitzen zu müssen, während vorne ein russischer Chefredakteur über die Beziehungen zwischen Russland und Europa referiert, und kein Wort zu verstehen, raubt einem den letzten Nerv. Während der anschließenden Diskussion hilflos dasitzen zu müssen, ohne Wissen darüber, was gerade um einen herum passiert, bringt einen schon einmal an den Rand der Verzweiflung. Ich verstehe die Themen, über die geredet wird und verstehe immer wieder ein paar Sätze und Phrasen, aber der Zusammenhang dahinter bleibt mir verborgen.
Und so finde ich mich manchmal in dieser Stadt wieder, zwischen dutzenden Menschen in einem Hörsaal oder in der U-Bahn eingeklemmt, und fühle mich trotzdem einsamer als je zuvor. Und langsam beginne ich zu verstehen, was Integration so schwierig macht, überall auf der Welt.