Deutsche Woche

April 22, 2008

Die ganze Woche lang fanden in St. Petersburg zahlreiche Veranstaltungen zum Thema Russland und Deutschland im Rahmen der „Deutschen Woche“ statt, die vom Goethe-Institut und dem deutschen Generalkonsulat veranstaltet wurden.

Obwohl manche der Angebot ein wenig schwierig zu finden waren, weil weder Beginnzeit noch Ort mit den im Programmheft angegebenen Daten übereinstimmten, konnte ich doch einige interessante Veranstaltungen besuchen. So sah ich mit zwei russischen Freundinnen, die seit mehreren Jahren deutsch lernten, einen Abend lang deutsche Filme oder tanzte zu Musik der russischen Gruppe Krec und der deutschen Gruppe Culcha Candela. Es war spannend, über die Unterschiede der beiden Kulturen und ihrer Politik zu diskutieren, und Geschichten über Russen in Deutschland und Deutsche in Russland zu hören. Mein Interesse an Deutschland ist aber nun wohl für einige Zeit gestillt.


Auf Dostojewskijs Spuren

April 17, 2008

Nachdem ich nun endlich sowohl „Schuld und Sühne“, als auch „Der Spieler“ von Dostojewskij fertig gelesen habe, besuchte ich nachmittags das Museum über einen der (zu recht) berühmtesten russischen Schriftsteller. Es ist in St. Petersburg in der Wohnung untergebracht, in der Dostojewskij zuletzt mit seiner Familie lebte.

Nachdem ich der Dame an der Kasse meinen russischen Studentenausweis vorlegte, bekam ich gratis eine Eintrittskarte. Ausländische Studenten müssen fünf Euro bezahlen, deshalb war ich froh, nicht enttarnt worden zu sein. Im 1. Stock konnte man um 20 Rubel Kassettenrecorder ausleihen, die einen durch die Ausstellung führten. Nachdem ich höflich fragte, ob diese denn auch in deutscher Sprache vorhanden wären, verdoppelte sich der Preis schlagartig. Die ältere Dame hatte dann wohl Mitleid oder ein schlechtes Gewissen, jedenfalls gab sie mir den Recorder zum „russischen“ Preis. In Russland ist es ganz normal, dass Ausländer für Eintritte in Museen oder Theater prinzipiell das mehrfache für die gleiche Leistung bezahlen.

Die ehemalige Wohnung im 2. Stock enthält zwar leider nur mehr wenige der originalen Möbelstücke, dafür wurde sie aber so gut es ging nachgebildet und man findet zahlreiche andere Besitztümer der Dostojewskijs: Fotos, Bilder, Spielzeug der Kinder, Notizen des Schriftstellers,…. Der Audioguide führte mich so von Raum zu raum und fütterte mich mit Informationen. Leider spuckte er über den Ausstellungsraum im 1. Stock keinerlei Informationen aus. Hier waren scheinbar recht wahllos Notizen und Malereien der Orte, die Dostojewskij besucht hatte, an den Wänden aufgehängt. Außer sehr kargen Informationen auf russisch waren dem Raum leider keine weiteren Erklärungen zu entlocken.

Da mir eine gute Freundin schon wochenlang von diesem Museum vorgeschwärmt hatte, war ich schon ein wenig enttäuscht über die recht bescheidene Ausstellung. Aber den Geist Dostojewskijs findet man ohnehin nicht in einem Museum, sondern nur in seinen Büchern.

Mein nächstes Vorhaben: Tolstois „Anna Karenina“ …


Lost in translation …

April 16, 2008

Trotz allen wunderbaren Dingen, die ich in diesem Land erleben darf, wäre es falsch zu sagen, dass es immer leicht ist. Denn die Zeit hier ist trotz allem kein Spaziergang. An manchen Tagen scheint die Sonne, und an anderen Tagen fühle ich mich in den tiefsten Winter zurückversetzt. Nicht nur, was das Wetter betrifft.

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Aprilwetter

April 13, 2008

Das Wetter hält jeden Tag eine andere Überraschung bereit: von frühlingshaft warm über regnerisch kühl bis windige Kälte reicht das Repertoire. Die Stadtverwaltung ist hier entscheidungsfreudiger, der Winter nun offiziell vorbei. Da keine Gefahr der Vereisung mehr besteht, werden die Brücken über die Newa nun jede Nacht geöffnet, damit große Schiffe passieren können. Nun ist die Jahreszeit des Tourismus angebrochen.

Vor der Kasaner Kathedrale starten Stadttouren und am Newski Prospekt können Exkursionen zu den Schlössern in Peterhof oder Puschkin gebucht werden. Auf den Kanälen fahren schon die Boote und auch an der Newa starten Ausflugsschiffe. In den Fußgängerzonen werden Sonnenterrassen aufgebaut und auch an das Stadtbild wird gedacht: zur Zeit bekommen alle Straßenlaternen einen neuen, tiefschwarz glänzenden Anstrich. Den Rest des Beitrags lesen »


Bestechungsgelder statt Studiengebühren?

April 10, 2008

Da mich eine Deutschprofessorin darum gebeten hatte, hielt ich heute ein Referat über das österreichische Hochschulsystem und diskutierte anschließend über die Unterschiede zwischen Russland und Österreich. In St. Petersburg gibt es mehrere verschiedene Universitäten. Die größte ist die Staatliche Universität, an der ich momentan studiere. Daneben gibt es Privatuniversitäten, Konversatorium, Militärakademien, eine pädagogische Hochschule,… Insgesamt stehen hier auch alle erdenklichen Studienrichtungen zur Auswahl. Unsere Universität ist in 14 verschiedene Fakultäten aufgeteilt, wie etwa die juristische, soziologische oder eben journalistische Fakultät. Im Hauptgebäude auf der Wassilewski Insel befinden sich die größten Fakultäten und zudem auch der längste Gang der Welt. Die journalistische Fakultät ist allerdings ein paar hundert Meter weiter in einem eigenen Gebäude untergebracht. Die Fakultät ist in verschiedene Institute, so genannte „Kafedras“ unterteilt. Für jeden Bereich gibt es so eine eigene Abteilung, z.B. Rundfunk, Printmedien, oder Online. Aber auch für PR, Werbung,verschiedene Fremdsprachen und allgemein internationale Angelegenheiten gibt es je eine eigene Abteilung.

Ein Studium dauerte hier bislang fünf Jahre und ist genauer geregelt als an unseren Universitäten. Mit der Umstellung auf das Bologna-System kommt man nun auch in vier Jahren zum Bachelor-Abschluss, zum Master sind es zwei zusätzliche Jahre. Ähnlich den Fachhochschulen müssen in jedem Semester eine gewisse Anzahl von Prüfungen in der Prüfungszeit am Ende des jeweiligen Semesters absolviert werden. Endlos studieren ist hier also unmöglich. Studenten, die an der journalistischen Fakultät studieren wollen, müssen bei ihrer Bewerbung zwischen Journalismus, PR oder Werbung wählen. Im Laufe des Studiums muss man sich in jedem Bereich jedoch noch weiter spezialisieren. Den Rest des Beitrags lesen »


Im Herzen Russlands (Update mit Fotos)

April 5, 2008

Nachdem ich mich spontan dazu entschlossen hatte, mit Ervina und ihrer Studienkollegin Olga nach Moskau zu fahren, trafen wir uns am Freitag Abend vor dem „Moskauer Bahnhof“ in St. Petersburg, um mit dem Nachtzug in die Haupstadt zu fahren. In Petersburg gibt es wohl ein dutzend verschiedener Bahnhöfe, deshalb haben sie auch unterschiedliche Namen. Praktischerweise heißt der Bahnhof in Petersburg, von wo aus die Züge nach Moskau fahren „Moskauer Bahnhof“, und der Bahnhof in Moskau, von dem die Züge nach Petersburg fahren „Leningrader Bahnhof“ (naja, die sind wohl noch etwas spät dran).

Allein die Zugfahrt war schon ein kleines Abenteuer. Glücklicherweise hatte man mir im Vorhinein erklärt, wie das Prozedere abläuft. Ansonsten wäre ich wohl komplett verloren gewesen. Zwei Freunde von Olja trafen uns noch vor dem Bahnhof, um sich von uns zu verabschieden. Liebenswürdigerweise schleppte auch einer der beiden meine Tasche bis zu meinem Schlafplatz und klappte mein Bett, das tagsüber an die Wand geklappt ist, herunter. Der Mechanismus ist dabei gar nicht so einfach zu durchschauen. So war zumindest die erste Hürde geschafft. Russische Männer sind insgesamt sehr hilfsbereit. Hier wird einem noch die Tür aufgehalten und in den Mantel geholfen. Ein wenig seltsam finde ich nur die Angewohnheit, die Handtasche der Freundin zu tragen. An diesem Abend war ich jedoch heilfroh, dass ich meine doch recht schwere Reisetasche nicht alleine tragen musste.

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Russische Gastfreundschaft

April 3, 2008

Als ich heute in der Schlange vor dem Fahrkartenschalter stand, um mir ein Zugticket nach Moskau zu kaufen, fragte mich eine Frau, ob ich die letzte in der Reihe wäre. Als ich bejahte, stellte sie sich hinter mir an. Während wir warteten, kamen wir miteinander ins Gespräch. Schon nach wenigen Minuten hatten wir uns über so einiges ausgetauscht und unterhielten uns rege. Sie fragte mich nach meinem Studium, über meine Familie und meine Zeit in Petersburg. Sie zeigte schier grenzenlose Geduld während ich mich mühsam durch die Sätze kämpfte. Die Russin arbeitet in einer amerikanischen Kosmetikfirma in Russland und erzählte auch von ihrer 20-jährigen Tochter, die an der gleichen Universität wie ich studiert. Da sie keine Fremdsprache konnte, fand die ganze Konversation auf russisch statt, was sich manchmal etwas schwierig gestaltete. Aber mit etwas Kreativität, Händen und Füßen konnten wir uns ganz gut verständigen. So erriet sie auch den Namen des Balletts „Aschenputtel“, nachdem ich in schlechtem Russisch etwas von einer bösen Mutter sprach.

Nachdem ich endlich an der Reihe war, half sie mir auch, die richtigen Plätze im Zug zu kaufen. Während wir erneut warten mussten, weil das Computersystem abstürzte,  zeigte sie mir stolz ihre Fotos von Arbeitsreisen nach Dallas und Moskau. Als wir uns danach verabschiedeten gab sie mir ihre Visitenkarte und meinte, ich solle sie anrufen. Sie würde mich einladen wollen.

Nach dieser wahnsinnig netten Unterhaltung ging ich doch ein wenig perplex aus dem Bahnhofsgebäude. Diese außergewöhnliche Freundlichkeit und das Interesse an einer doch fremden Person hatte mich wirklich positiv überrascht. In diesem Land erlebt man wirklich alle Stimmungslagen. Am einem Tag muss man froh sein, wenn der Verkäufer an der Ecke einen nicht gerade anschnauzt, wenn man etwas kaufen will. Am anderen Tag trifft man mitten im Großstadtrummel die freundlichsten Menschen, die einen nach fünf Minuten behandeln, als wäre man schon ewig befreundet.


Kein Aprilscherz!

April 1, 2008

Am heutigen Abend fand an unsere Fakultät eine – für mich – recht sonderbare Veranstaltung statt. Zwei Studententeams und ein Professorenteam traten in einem Wettkampf gegeneinander an. Gegenstand des Wettstreits: Spaß!

In verschiedenen Disziplinen treten die Teams gegeneinander an und versuchen, das Publikum dabei zum Lachen zu bringen. Dabei wechseln geplante Sketche und Kabarett mit spontanen Aufgaben, die die Kandiaten zu bewältigen haben, ab. Die Darsteller werden dabei von den zusehnden Studenten lautstark unterstützt. So wird auf der Bühne getanzt, gesungen und gespielt. In den verschiedenen Sketchen werden von Putin bis zum Rektor alle durch den Kakao gezogen. Auch die Professoren und die russische Medienlandschaft werden dabei nicht verschont. Die Professoren reimen was das Zeug hält und schmeißen sich für ihr Kabarett auch schon in Pyjamas und Bademäntel. Stelle sich das einer bei uns vor! (Nur bitte nicht zu plastisch.)

Am Ende entscheidet eine Jury über den Gewinner des Wettbewerbs. Heute gewann das Team der Studenten aus dem zweiten Studienjahr. Die schrägen Tanzeinlagen waren dafür wohl ausschlaggebend…… Ich konnte zwar lange nicht alle Witze verstehen, war aber schon froh, wenigstens ein paar davon verstanden zu haben und so mitlachen konnte. Zudem waren die meisten Dinge auch ohne Verständnis der russischen Sprache schon lustig genug.

(Video folgt in Kürze)