Sonnige Rückkehr

März 31, 2008

Nach einer recht unbequemen Nacht im Bus, nachdem ich mitten in der Nacht an der estnisch-russischen Grenze aus dem Bus gescheucht wurde um mich eine halbe Stunde an der Passkontrolle anzustellen, kam ich nun wieder in Petersburg an. Noch im Halbschlaf hörte ich den Busfahrer die Metrostation Avtovo ausrufen, und ich räumte schnell meine Sachen in meine Tasche während der Bus schon in der rechten Spur hielt. Ich sprang aus dem Bus und schaffte es gerade noch meinen Rucksack aus dem Laderaum zu fischen, bevor der Bus schon wieder im Petersburger Verkehrschaos verschwunden war. Per U-Bahn ging es dann nach Hause. Da es erst sechs Uhr morgens war, ergatterte ich sogar noch eine Ausgabe der druckfrischen Gratiswochenzeitung „Metro“. Während der Fahrt in der überfüllten U-Bahn wunderte ich mich wirklich, dass so früh schon so viele Menschen unterwegs waren. Später klärte sich die Sache allerdings auf: ich hatte völlig darauf vergessen, dass es hier aufgrund der Zeitumstellung und des Zeitzonenwechsels schon zwei Stunden später war. Die Petersburger sind also doch nicht solche Frühaufsteher.

Tatsächlich war während meiner Abwesenheit in St. Petersburg der Frühling eingekehrt. Schnee und Eis waren verschwunden, die Sonne lachte den ganzen Tag vom Himmel und die Temperaturen kletterten stetig in die Höhe. Über 15 Grad wurden schon gemessen. Ich verstaute als erstes meine Winterjacke in der Garderobe und holte meine quietschgrüne Übergangsjacke hervor.

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Tallinn

März 24, 2008

Nach einer – dank meiner russischen Wohnungsnachbarn, die die ganze Nacht gefeiert hatten – sehr kurzen Nacht saß ich um sieben Uhr morgens im Eurolines-Bus nach Tallinn. Nch etwa drei Stunden erreichten wir die Grenze und mussten an der russischen Seite erst einmal eine dreiviertel Stunde vor der Passkontrolle Schlange stehen. Auf der estnischen Seite konnten wir wenigstens im Bus sitzen bleiben. Ein Zollbeamter sammelte alle Pässe ein und stapelte so allmählich einen Turm aus Dokumenten, den er geschickt auf einer Hand balanzierte, während er stetig neue Pässe der Insassen einsammelte. Nach einer weiteren halben Stunde Wartezeit kamen alle Pässe wohlbehalten zurück und die Fahrt konnte weitergehen. Wir durchquerten zwar nicht wirklich schöne Gebiete, aber da immer noch alles schneebedeckt war, war auch der Blick aus dem Fenster recht angenehm.

Nach sieben Stunden Fahrt kamen wir schlußendlich in Tallinn an. Ich schulterte meinen Rucksack und machte mich auf den Weg zu dem Hostel, das ich zuvor im Internet ausgeforscht hatte. Als ich den Busbahnhof schon verlassen hatte, fiel mir ein, dass ich ja noch gar kein estnisches Geld hatte, kehrte also um, hob am nächstbesten Bankomaten estnische Kronen ab und machte mich wieder auf den Weg zur Straßenbahnhaltestelle. Nachdem ich endlich die richtige gefunden hatte, erkundigte ich mich bei zwei Mädchen, wie denn das Fahrkartensystem hier fuktionierte. Sie erklärten mir, dass man die Tickets beim Fahrer nur kaufen konnte, wenn man das Geld genau zur Hand hatte. Da ich nur große Scheine hatte, musste ich abermals zurück zum Busbahnhof, um am dortigen Kiosk Fahrkarten zu kaufen. Schlußendlich, nachdem ich die gleiche Strecke nun schon zwei Mal hin und hergelaufen war, fuhr ich mit der Straßenbahn ins Stadtzentrum. Da ich nicht genau wusste, wo ich aussteigen musste, orientierte ich mich so gut es ging an dem Stadtplan in meinem Reiseführer und stieg unweit des Zentrums aus. Da es wohl ein paar Gehminuten zu Fuß waren, marschierte ich also in die richtige Richtung und bog nach kurzer Zeit in eine Seitenstraße ab. Meiner Meinung nach müsste das nun ungefähr Richtung Hostel führen. Als ich nach kurzer Zeit in der Altstadt ankam musste ich feststellen, dass ich schon viel zu weit gegangen war. Ich hatte außerhalb der Stadtmauern bereits das gesamte Stadtzentrum passiert. Verwundert suchte ich nun en Maßstab auf der Karte und stellte fest, dass die ganze Altstadt sehr viel kleiner war, als ich gedacht hatte. Den Rest des Beitrags lesen »


Besuch

März 19, 2008

Am Freitag hatte ich endlich die Chance, all meine wunderbaren und manchmal auch etwas wunderlichen Erlebnisse, die ich in diesem Land mache, mit Freunden zu teilen. Daniela, Birgit und Petra kamen mich besuchen.

Am Flughafen angelangt hatten sich die Rollen nun verkehrt. Vor ein paar Wochen war ich noch diejenige, die voller Neugierde in diesem seltsamen runden Raum stand und auf die Einreise wartete, während ich von dutzenden Leuten, die sich aus dem ersten Stock übers Geländer beugten, begafft wurde. Jetzt war ich eine der Beobachter, die auf die wartende Menge unter mir hinunterschauen konnte. Und dazu hatte ich wirklich Zeit. Meine drei Freundinnen, die sich mittlerweile mit einer Russin angefreundet hatten, warteten geschlagene eineinhalbstunden in der Schlange vor der Passkontrolle. Meine Ermutigungen, doch ein wenig „aktiver“ anzustehen, blieben unbeachtet. Doch schlußendlich konnte ich doch alle drei umarmen und in Empfang nehmen.

Mit dem teils verrückten öffentlichen Verkehrssystem ging es dann in meine Wohnung. Wenn ich gewusst hätte, dass manch ein Koffer 19,9 Kilo wiegen würde, hätte ich vielleicht im vorhinein ein Taxi organisiert. Die drei Mädels ließen anfänglich wirklich nichts unfotografiert (außer der Metro, in der Fotografierverbot herrscht). Es war wirklich interessant zu sehen, welche Dinge sie noch erstaunten, während es für mich schon Alltag bedeutete. Dabei war ich vor wenigen Wochen mit der gleichen Fassungslosigkeit und Faszination vor denselben Dingen gestanden.

In den folgenden Tagen versuchte ich, ihnen einen ausgewogenen Mix aus Kultur, Kulinarik, Shopping und Nachtleben zu bieten. Ob das gelungen ist, müssen die Damen selbst entscheiden… (vielleicht per Kommentar? ;) ). Wir schlenderten durchs Stadtzentrum, spielten Kapitän auf dem alten Kriegsschiff Aurora und fühlten uns im Bernsteinzimmer im Katharinenschloss wie Prinzessinnen. Wir wurden auf einer Marschrutka-Fahrt ordentlich durchgeschüttelt und bangten während einer Taxifahrt um unser Leben. Mit Piroggen und Blini schlugen wir uns die Bäuche voll, testeten den einen oder anderen Wodka und erlebten, dass eine Russendisko in Russland mit der in Österreich nicht wirklich viele Ähnlichkeiten aufweist. Wir bestaunten Föten in Formalin, gingen auf einem zugefrorenen See spazieren und bauten bei Minusgraden kleine Schneemänner am Sandstrand im Sonnenschein.

Ich glaube, nicht nur ich bin jetzt davon überzeugt: Diese Stadt ist einfach einmalig. Danke Mädels, dass ihr da wart. Die Zeit war echt ein Traum!


Frühling!?

März 11, 2008

Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben. Doch nach wochenlangem Frieren, nach einem Monat voll Schnee und Eis, nach ständig vereisten Gehsteigen und vermatschten Straßen ist endlich ein Ende in Sicht. Die ersten Anzeichen des Frühlings sind auch hier im hohen Norden spürbar. Das Thermometer zeigte heute nicht nur Plusgrade an, sondern kletterte sogar auf zehn Grad! Es ist herrlich, sich nicht mehr komplett vermummen zu müßen, um auf die Straße gehen zu können. Ich genieße es, die Stadt nun im Sonnenschein und auf trockenen Wegen zu erkunden. Man weiß ja nie, wie lange das Wetter so bleibt.


Maslenitsa – Mасленица!

März 9, 2008

In der letzten Woche vor dem Beginn der orthodoxen Fastenzeit wird in Russland Maslenitsa gefeiert. Übersetzt heißt das so viel wie „Butterwoche“. Der Brauch kommt daher, dass gläubige Russen in der ersten Woche vor der Fastenzeit schon auf Fleisch verzichten sollten. Milcherzeugnisse und Eier sind aber noch erlaubt, optimale Zutaten für Blini also! Diese werden währende Maslenitsa auch in rohen Mengen verspeist. Im Laufe der Zeit hat das Fest auch noch eine zusätzliche Bedeutung bekommen: das nahende Ende des Winters wird gefeiert.

Traditionell hat jeder Tag eine andere Bedeutung. So gibt es etwa einen „Tag der Begrüßung“, an dem Kinder eine Puppe aus Stroh basteln, oder einen Tag zum Rodeln und im Schnee toben. Die Bedeutung des Festes ist jedoch am Land größer. In der Stadt wird die genaue Reihenfolge der Tage eher selten eingehalten. Die Woche wird einfach dazu genutzt, mit Freunden und Familie zusammenzukommen und sich die Bäuche mit Blini vollzuschlagen. Natürlich ließ auch ich mir diese Chance nicht entgehen und suchte meine Lieblings-Blinikette „чайная лошка“ fast täglich auf.

Der Höhepunkt der Woche ist der Sonntag. Dann wird gemeinsam auf Volksfesten der letzte Tag vor der Fastenzeit zelebriert und die Maslenitsa-Puppe verbrannt. Man kann da wohl Parallelen zu dem im Westen Österreichs sehr verbreiteten „Funkensonntag“ ziehen…

Natürlich ließ ich es mir nicht entgehen, diesen russischen Feiertag zu erleben und mit eigenen Augen zu sehen, wie ein russisches Volksfest so aussieht. Am Sonntag Mittag strömten die St. Petersburger dazu auf die Haseninsel, auf der die Peter-und-Paul-Festung steht. Nachdem wir uns noch mit Emanuelle getroffen hatten, stürzten wir uns in die Jahrmarktatmosphäre. Hier sah man junge Russen, die einen Maibaumähnlichen Stamm erklommen, dort konnte man Tauziehen oder sich an einer „russischen Variante“ einer Kissenschlacht beteiligen. Dazwischen standen Schießbuden, Hüpfburgen und Stände, an denen man Blini, Tee oder Glühwein (was auf russisch Glintwein heißt) kaufen. Leider verpassten wir das verbrennen der Maslenitsa-Puppe, aber wir verbrachten trotzdem einen lustigen Nachmittag. Nach ein paar Stunden machte uns die Kälte aber dann doch zu schaffen und wir traten den Rückzug an. Immerhin war die Newa schon so vereist, dass man nicht einmal mehr die Brücke benutzen musste, sondern einfach über den Fluss marschieren konnte.


Поздравления с Международным женским днем!

März 8, 2008

Der 8. März ist internationaler Frauentag. Bis jetzt habe ich davon nur irgendwie wenig mitbekommen. In Russland hingegen wird der Tag groß gefeiert und ist auch ein offizieller Feiertag. An diesem Tag werden Frauen mit Blumen beschenkt. Dies führt dazu, dass sichdie Straßen von St. Petersburg an diesem Freitag und Samstag in ein Blumenmeer verwandelten. Überall sah man mit Blumen überladene Männer und Frauen, die ihre Sträuße und Rosen stolz durch die Gegend tragen.Obwohl ich eigentlich nicht damit gerechnet hatte, wurde auch ich am Frauentag mit Blumen beschenkt. Mein Mitbewohner Christian überreichte mir am Morgen eine Rose. Ob meine Bemerkungen der letzten Tage, dass ich wohl von niemandem Blumen bekommen würde, etwas damit zu tun haben?

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Am Nachmittag besuchte ich mit Ervina die Eremitage. Das Wort „Museum“ dafür zu verwenden, ist eigentlich untertrieben. Die Eremitage beherbergt 2,8 Millionen Ausstellungsstücke in dutzenden Gebäuden und hunderten Räumen. Die bedeutendsten Kunstwerke sind im Hauptgebäude, dem Winterpalast untergebracht. Allein die Räume darin sind schon beeindruckend: riesige Paläste, goldene Säulen, riesige Luster, Marmortreppen… Auch die Fülle der Kunstwerke ist beeindruckend. Man verliert beinahe die Wertschätzung der Kunst, nachdem man dutzenden Räume voll mit Bildern von Matisse, da Vinci, van Gogh, Rembrandt oder Picasso durchquert hat. Während eines Besuchs kann man nicht einmal einen Bruchteil der Exponate sehen. Deshalb kommen wir immer wieder. Für Studenten ist der Eintritt ja gratis.

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Vor dem Winterpalast drehen immer noch die Eisläufer ihre Runden. Mitten auf dem Schloßplatz, dem Hauptplatz St. Petersburg, um die Alexandersäule herum, wurde diesen Winter eine Eislaufbahn gebaut. Die Stadt erteilte dazu die entsprechende Genehmigung. Anfang Februar jedoch wurde diese Erlaubnis zurückgenommen und die Einstellung des Eislaufbetriebs gefordert. Allerdings muss diese Weisung noch alle bürokratischen Instanzen durchlaufen. Solange dies nicht geschehen ist, dürfen Einheimische und Touristen weiter auf dem Schloßplatz Schlittschuh laufen. Die Mühlen der russischen Bürokratie mahlen langsam.

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Nach dem Besuch der Eremitage fuhren wir mit der U-Bahn aus der Stadt heraus, um gemeinsam mit Aarni einen Markt zu besuchen. Die U-Bahn-Station „Avtovo“, in der wir ausstiegen, zählt zu den schönsten Metrostationen der Stadt: Wände aus weißem Marmor und kunstvoll mit Glas verzierte Säulen.

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Als Aarni auftauchte, hatte er tatsächlich auch zwei Rosen in seinen Händen. Ervina und ich freuten uns wahnsinnig über diese Aufmerksamkeit und trugen den Rest des Tages wie echte Russinnen die Blumen stolz zur Schau. Mit dem Bus ging es weiter durch die Vororte der Stadt. Es war sehr spannend, einmal aus der Innenstadt und den bekannten Straßen und Orten wegzukommen. Außerhalb des Zentrums ist von schönen Kirchen und Palästen nichts zu sehen. Hier überwiegen Plattenbauten. Ein Russe, der im Bus unsere Gespräche belauscht hatte, rief uns als er Ausstieg zum Abschied die Worte „Chitler kapudd“ (Hitler kaputt) zu. Diese zwei Wörter sind Überbleibsel aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die genaue Herkunft der Worte ist heute unklar, aber es wird spekuliert, dass deutsche Soldaten am Ende des Krieges, als sie von Russen gefangen genommen wurden, diese Worte verwendeten. Mittlerweile sind sie in den russischen Sprachwortschatz übergegangen. Fast jeder Russe kennt sie und wirft sie eben hin und wieder einmal ein, oft auch mit dem Zusatz „Chände choch“, wenn er merkt, dass jemand deutsch spricht. Mit der Bedeutung der Worte hat es aber eigentlich nichts zu tun.

Nach einer halbstündigen Busfahrt kamen wir am Markt an. Leider hatten wir in der Zwischenzeit schon so viel Zeit vertrödelt, dass schon fast alle Stände dabei waren, ihre Waren aufzzuräumen. Also schlenderten wir noch über das Gelände. Auf einem riesigen Platz, zwischen Markthallen und Ständen wird vom Autositz über Schuhe bis zu illegalen DVDs ausnahmslos alles verkauft. Wir beschlossen, auf jeden Fall bald wiederzukommen. Allerdings früher! Mit einer marschrutka (eine Art Sammeltaxi, das auf einer vorgelegten Route fährt), fuhren wir zur Metrostation zurück. Die Fahrt war wie immer recht wild. Nicht selten wurde rasant die Spur gewechselt und hupend einem anderen Fahrer ausgewichen. Verkehrsregeln sind in Russland oft wenig verbreitet. Die einzige Regel: „Survival of the Fittest“.


Mariinski

März 6, 2008

Hanna, ihre Freundin Amelia und ich konnten uns für die heutige Vorstellung des Balletts „Aschenputtel“ von Sergej Prokofjew im Mariinski Theater Karten besorgen. Nach den Vorlesungen stärkten wir uns noch in meinem geliebten Cafe Stolle an пироги, diesen schmackhaften, strudel- bzw. kuchenähnlichen gefüllten Köstlichkeiten. Obwohl man mir im Vorhinein Probleme beschieden hatte, hatte ich mit meiner Eintrittskarter für russische Studenten keine Probleme. In Russland gibt es nämlichen bei sämtlichen Eintritten ein Doppelpreissystem: ein Preis für Russen, und ein weitaus höherer Preis für Ausländer. Egal ob im Theater, in Museen oder Ausstellungen: Ausländer bezahlen meist das doppelte oder dreifache. Die Dame an der Kassa hatte aber gemeint, da ich in Russland studiere, könnte ich auch diese Karte bekommen.

Das Mariinski-Theater erscheint von außen recht unspektakulär. Im Inneren entfaltet es aber seine ganze Pracht: goldene Logen, riesige Luster, eine mit Fresken verzierte Decke. Das Ballett war ebenfalls ein Traum. Ich hätte nie gedacht, wie gut man eine Geschichte erzählen kann, obwohl man auf Worte komplett verzichtet. Allein durch den Ausdruck der Tänzerinne und Tänzer wurde die Geschichte so eindrucksvoll erzählt, dass ich oft aus dem Staunen, Bewundern oder auch Lachen nicht mehr herauskam.


Party im Bunker

März 3, 2008

Heute abend hatte sich eine lustige, internationale Truppe zusammengefunden. Mit den anderen Auslandssemestrigen aus der Uni, meinen Mitbewohnern Hanna und Christian und seinen Arbeitskollegen waren wir insgesamt etwa ein Dutzend Leute und insgesamt sieben Nationen: Russland, Finnland, Deutschland, Frankreich, Österreich, England und Bosnien. Da in dem Club, den wir ansteuerten, zuerst noch ein Konzert stattfand und der Eintritt die horrende Summe von 2000 Rubeln gekostet hätte (60 Euro), zogen wir es dann doch lieber vor, in einer Kneipe vorher ein (oder zwei) Bier zu trinken. Es gab auch eine russische Live-Band, die spanische Songs genau unter den Flatscreens spielte, auf denen ein Fußballspiel übertragen wurde. Man konnte deshalb nicht so recht feststellen, welche der Zuschauer an der Band und welche am Fußball interessiert waren. Vielleicht nutzten manche auch die Chance, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen…

 

 

Nach Mitternacht quetschten wir uns in zwei Taxis. Da die Gruppe schon leicht dezimiert war, klappte das auch ganz gut. Eine praktische Eigenheit des öffentlichen Verkehrssystems: jedes Auto, das auf der Straße fährt, ist ein prinzipielles Taxi. Jeder kann, wenn er gerade Lust und Zeit hat, Taxifahrer spielen. Wenn man sich an die Straße stellt und den Daumen hinausstreckt dauert es nie länger als eine Minute, bis ein Fahrer anhält. Das Ritual: man öffnet die Beifahrertür, sagt dem Fahrer wohin man gerne fahren würde, dieser veranschlagt den Preis, der meist heruntergehandelt werden kann. Ist man sich über den Fahrpreis einigt, steigen alle ein. Lässt der Fahrer nicht mit sich verhandeln, schlägt man die Autotür einfach wieder zu und wartet auf das nächste Taxi. Eine Fahrt innerhalb der Stadt kostet üblicherweise zwischen fünf bis sieben Euro.

Ein paar Minuten später kamen wir also an unserem Fahrziel an, dem Club „Грибоедов” („Griboyedov“). Die Disko befindet sich in einem ehemaligen Luftschutzbunker. Nachdem wir den Eintritt bezahlt hatten (nunmehr „nur“ noch 11 Euro, was aber verglichen mit anderen Eintritten recht teuer ist), schritten wir die Stufen in den Bunker hinunter. Der Club erstreckt sich über mehrere verschiedene Räume, durch verwinkelte Gänge und an dicken Metalltüren vorbei gelangt man von einem Raum in den nächsten. Im Größten legte ein DJ auf, in einem anderen Bereich befand sich die Bar, immer wieder standen gemütliche Sofas in den Nischen. Also tanzten wir stundenlang, tranken dazwischen den einen oder anderen Wodka.

 

Zu später Stunde hatte sich die Gruppe schlußendlich auf vier Leute dezimiert. Und als wir den Club verließen stellten wir fest, dass die erste U-Bahn in wenigen Minuten fahren würde. Also warteten wir mit ein paar Dutzend anderen Nachtschwärmern vor den verschlossenen Türen der Metro, bis ein Mitarbeiter die Schlößer und Metallgitter entfernte und wir in die U-Bahn strömen konnten.


Impressionen

März 3, 2008


Wahl?

März 1, 2008

Wenn man nicht wüsste, dass Russland morgen über einen neuen Präsidenten abstimmen wird, man würde es nicht erraten. Während in Österreich schon Monate vorher das ganze Land mit Wahlplakaten vollgepflastert wird, merkt man hier in den Straßen von St . Ptersburg nichts von den bevorstehenden Wahlen. Allein ein Wahlplakat ist mir untergekommen, am Newski Prospekt, im Zentrum der Stadt. Es zeit Putin, Arm in Arm mit Medwedew, darunter der Slogan: „Gemeinsam werden wir es schaffen“. Außerdem werden dir Russen am Hauptplatz durch ein mehrere Meter hohes Plakat dazu aufgefordert, an die Urnen zu gehen und „ihre Zukunft zu wählen“. Wahlkampf ist hier nicht existent. Naja, wozu auch?

Bis jetzt habe ich noch keinen jungen Russen gefunden, der morgen auch zur Wahl gehen wird. Die meisten boykottieren sie. Wieso soll man auch wählen gehen, wenn der Sieger ohnehin schon vorher feststeht?