Abschied

Mai 26, 2008

Vor vier Monaten reiste ich in dieses Land. Mein Kopf war voll mit Dingen, die man über Russland zu wissen glaubt. Ich dachte an Wodka, Putin und Kälte. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde. Vier Monate sind wie im Flug vergangen. Ich habe tausend Dinge erlebt und dieses Land, diese Kultur lieben gelernt. Selbst die Seiten Russlands, die eigentlich furchtbar sind, habe ich ins Herz geschlossen. Wer braucht schon freundliches Servicepersonal? Oder Trinkwasser aus dem Wasserhahn? Zebrastreifen und MÜlltrennung werden sowieso überbewertet. Vor vier Monaten dachte ich, in einer anderen Welt gelandet zu sein. Und jetzt komme ich mir hier zuhause vor. Kann mir etwas anderes kaum vorstellen.

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Freier Fall

Mai 25, 2008

Lang hatte ich nach einer Parabel gesucht, die meine Zeit hier in St. Petersburg beschreiben könnte. Endlich habe ich sie gefunden. Mein Auslandssemester gleicht einem Fallschirmsprung. Solo. Kein Tandem. Kein erfahrener Fallschirmlehrer, der alles für einen übernimmt und man selbst sich nur noch fallen laßen muss. Wer sich zu einem Auslandssemester entschließt, zumal es in etwas ausgefallenere Destinationen führt, ist auf sich allein gestellt. Wie bei einem Fallschirmsprung.

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Novgorod

Mai 21, 2008

Da sich meine Zeit hier in Russland leider viel zu schnell dem Ende zuneigt, mache ich nun die Dinge, die ich schon seit meiner Ankunft vorgehabt, aber immer auf später verschoben habe. Nachdem ich am Montag endlich im Russischen Museum war, verbrachte ich die letzten beiden Tage mit Ervina in Veliki Novgorod.

Da ich vor ein paar Tagen in der Gratistageszeitung “Metro” einen Bericht über die rasend schnell vergriffenen Zugtickets in den Süden gelesen hatte, wollten wir auf Nummer sicher gehen, und unser Ticket wenigstens am Vortag kaufen. Novgorod liegt zwar nicht wirklich im Süden, aber sicher ist sicher. Am Informationsschalter des Zugticketbüros im Zentrum erkundigten wir uns vorsichtshalber, an welcher Kassa wir die Tickets für den gewünschten Zug kaufen könnten. Nachdem die Dame im Computersystem die entsprechende Verbindung nachgeschlagen hatte, antwortete sie uns, dass wir jeden beliebigen Schalter wählen könnten, stellten wir uns an der Nummer 13 an. Schlange stehen ist beim Fahrkartenkauf quasi obligatorisch. Vor uns in der Schlange zankte sich eine ältere Frau mit zwei Mädchen darum, wer zuerst da gewesen war. Nach etwa 20 Minuten stand die Bedienstete am Schalter auf und verließ ihre Kabine. Dem Schild entnahmen wir, dass jetzt Zeit für ihre Kaffeepause war. Wenigstens dauerte die Pause nur eine Viertelstunde. Wäre sie zur Mittagspause verschwunden, hätten wir uns wohl eine neue Schlange suchen müssen. Nachdem wir endlich an der Reihe waren, wurde uns mitgeteilt, dass hier keine Karten für unsere Verbindung erhältlich waren. Wir müssten direkt zum Moskauer Bahnhof gehen.

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Lange Nacht der Museen

Mai 17, 2008

Auch hier in St. Petersburg findet ein Mal jährlich eine „Lange Nacht der Museen“ statt. Für etwa vier Euro konnte man diesen Samstag zwischen 18.00 und 1.00 Uhr nachts 20 verschiedene Museen besuchen. Zudem wurde in jedem teilnehmenden Museum ein spezielles Programm mit zusätzlichen Führungen und Veranstaltungen angeboten. Drei Shuttlebusse verbanden die Plätze. Diese Chance wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und wählte aus der Liste ein paar Orte aus, an denen ich bis jetzt noch nicht war: das Anna Achmatova-Museum, der Eisbrecher Krasin und der städtische Zoo. Aufgrund der geografischen Nähe wurden aber auch das Roerich-Museum und das Schiffsmuseum in die Tour aufgenommen.

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Зенит - Чемпион!

Mai 15, 2008

Nachdem sich der Petersburger Fußballclub Zenit gestern die UEFA-Cup-Throphäe unter den Nagel gerissen hat, herrscht in der Stadt Ausnahmezustand. Zeitungsberichten zufolge hatten sich nachts sogar spontan 2000 Menschen auf dem Schloßplatz zusammengefunden. Die ganze Nacht wurde gefeiert, in der U-Bahn wurden “Zenit Champion”-Sprechchöre angestimmt und die vorbeiziehenden Schulkinder sangen morgens die Clubhymne. Am heutigen Tag sah man die Kombination der Clubfarben hellblau-dunkelblau-weiß überall: Fahnen an den Autos, Fanschals, und und und. Sogar vor unserer Fakultät wehte eine Zenit-Fahne im Wind. Den Rest des Beitrags lesen »


Lebenszeichen

Mai 12, 2008

Keine Angst, ich bin nicht verschollen. Die ausbleibenden Blog-Updates erklären sich durch eine stressige Woche in Petersburg, eine erneute unfreiwillige Ausreise und der anschließende Besuch meiner Familie in Russland. In den nächsten Tagen werde ich jedoch versuchen, ein paar Eindrücke der letzten drei Wochen niederzuschreiben.


Skandinavien

Mai 5, 2008

Nach einer recht stressigen Woche packte ich am Dienstag meine Sachen, um Russland erneut für ein paar Tage zu verlassen. Auch meine zweite Reise trat ich nicht freiwillig an, mein zu kurzes, unverlängerbares Visum war der Grund. Natürlich freute ich mich, erstmals nach Skandinavien reisen zu können, aber ein mulmiges Gefühl ist doch dabei, wenn man zum Reisen gezwungen wird.

Von Petersburg aus fahren jeden Abend private Busse nach Helsinki. Man muss nur mit seinem Gepäck zum Moskauer Bahnhof spazieren. Dort angelangt warten schon die verschiedenen Anbieter und stürzen sich auf alle Reisewilligen. Nachdem man sich für einen Bus entschieden hat, zahlt man gleich dort und sucht sich einen Sitzplatz aus. Kurze Zeit später befindet man sich auch schon auf dem Weg.

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Deutsche Woche

April 22, 2008

Die ganze Woche lang fanden in St. Petersburg zahlreiche Veranstaltungen zum Thema Russland und Deutschland im Rahmen der “Deutschen Woche” statt, die vom Goethe-Institut und dem deutschen Generalkonsulat veranstaltet wurden.

Obwohl manche der Angebot ein wenig schwierig zu finden waren, weil weder Beginnzeit noch Ort mit den im Programmheft angegebenen Daten übereinstimmten, konnte ich doch einige interessante Veranstaltungen besuchen. So sah ich mit zwei russischen Freundinnen, die seit mehreren Jahren deutsch lernten, einen Abend lang deutsche Filme oder tanzte zu Musik der russischen Gruppe Krec und der deutschen Gruppe Culcha Candela. Es war spannend, über die Unterschiede der beiden Kulturen und ihrer Politik zu diskutieren, und Geschichten über Russen in Deutschland und Deutsche in Russland zu hören. Mein Interesse an Deutschland ist aber nun wohl für einige Zeit gestillt.


Auf Dostojewskijs Spuren

April 17, 2008

Nachdem ich nun endlich sowohl “Schuld und Sühne”, als auch “Der Spieler” von Dostojewskij fertig gelesen habe, besuchte ich nachmittags das Museum über einen der (zu recht) berühmtesten russischen Schriftsteller. Es ist in St. Petersburg in der Wohnung untergebracht, in der Dostojewskij zuletzt mit seiner Familie lebte.

Nachdem ich der Dame an der Kasse meinen russischen Studentenausweis vorlegte, bekam ich gratis eine Eintrittskarte. Ausländische Studenten müssen fünf Euro bezahlen, deshalb war ich froh, nicht enttarnt worden zu sein. Im 1. Stock konnte man um 20 Rubel Kassettenrecorder ausleihen, die einen durch die Ausstellung führten. Nachdem ich höflich fragte, ob diese denn auch in deutscher Sprache vorhanden wären, verdoppelte sich der Preis schlagartig. Die ältere Dame hatte dann wohl Mitleid oder ein schlechtes Gewissen, jedenfalls gab sie mir den Recorder zum “russischen” Preis. In Russland ist es ganz normal, dass Ausländer für Eintritte in Museen oder Theater prinzipiell das mehrfache für die gleiche Leistung bezahlen.

Die ehemalige Wohnung im 2. Stock enthält zwar leider nur mehr wenige der originalen Möbelstücke, dafür wurde sie aber so gut es ging nachgebildet und man findet zahlreiche andere Besitztümer der Dostojewskijs: Fotos, Bilder, Spielzeug der Kinder, Notizen des Schriftstellers,…. Der Audioguide führte mich so von Raum zu raum und fütterte mich mit Informationen. Leider spuckte er über den Ausstellungsraum im 1. Stock keinerlei Informationen aus. Hier waren scheinbar recht wahllos Notizen und Malereien der Orte, die Dostojewskij besucht hatte, an den Wänden aufgehängt. Außer sehr kargen Informationen auf russisch waren dem Raum leider keine weiteren Erklärungen zu entlocken.

Da mir eine gute Freundin schon wochenlang von diesem Museum vorgeschwärmt hatte, war ich schon ein wenig enttäuscht über die recht bescheidene Ausstellung. Aber den Geist Dostojewskijs findet man ohnehin nicht in einem Museum, sondern nur in seinen Büchern.

Mein nächstes Vorhaben: Tolstois “Anna Karenina” …


Lost in translation …

April 16, 2008

Trotz allen wunderbaren Dingen, die ich in diesem Land erleben darf, wäre es falsch zu sagen, dass es immer leicht ist. Denn die Zeit hier ist trotz allem kein Spaziergang. An manchen Tagen scheint die Sonne, und an anderen Tagen fühle ich mich in den tiefsten Winter zurückversetzt. Nicht nur, was das Wetter betrifft.

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